50 jähriges Jubiläum Roland Weilbächer

Ehrung für den Ehrenobermeister der Landesinnung Hessen Parkett- und Fußbodentechnik im Rahmen der Frühjahrsversammlung in Steinbach: Von links Herbert Schäfer, Uwe Bock, Roland Weilbächer, Björn Hendrischke und Bernd Ehinger. Bild: Ewert

STEINBACH (ew). Die Landesinnung Hessen Parkett- und Fußbodentechnik hat 150 Mitglieder und ist organisatorisch bei der Kreishandwerkerschaft Gießen angesiedelt, wie 18 weitere Innungen, von denen wiederum fünf einen Einzugebereich haben, der, wie bei den Parkett- und Fußbodentechnikern, über den Landkreis Gießen hinausreicht. Das sind die Uhrmacherinnung Mittelhessen, die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Oberhessen, die Glaserinnung Oberhessen, die Innung für Büroinformationselektronik und Feinwerktechnik Oberhessen sawie die Fotografeninnung Hessen-Rheinhessen.

Die Frühjahrsversammlung der Innung Hessen Parkett- und Fußbodentechnik fand in der Ratsschänke der Fernwaldhalle in Steinbach statt. Obermeister Herbert Schäfer (Langenselbold) ging in seinem Rückblick auf zahlreiche Aktivitäten der Innung - Tageslehrgänge, Info-Tage in allen Teilen des Landes - ein, besonders auf die Messe "Chance" in Gießen, die ein wichtiges Forum biete, das Berufsbild der Parkett- und Fußbodentechniker öffentlich vorzustellen, "damit junge Leute überhaupt einmal wissen und hineinschnuppern können, was es mit der Parkett- und Fußbodentechnik auf sich hat". Obwohl sich "Messeerfolge" in Form konkreter Abschlüsse, auch an Ausbildungsanbahnungen, nur sehr schwer messen ließen, sei die Teilnahme an der Messe auch in Zukunft wichtig.

Die Ausbildungssituation ist auch in dieser Innung ein aktuelles Thema, das sich künftig zu einem Problem ausweiten könnte, ließ Martin Weil aus Langgöns, Vorstandsmitglied der Innung und deren Lehrlingswart, per schriftlicher Einlassung wissen. Derzeit werden im Bundesland 51 Parkettleger und 38 Bodenleger im bewährten dualen System ausgebildet, in den zahlreichen Betrieben sowie allesamt in der hessenweit und zentral gelegen für das Parkett- und Fußbodentechnik-Innung zuständigen Theodor-Litt-Berufsschule in Gießen. Fakt ist laut Obermeister Schäfer, dass das Gewerk zunehmend Schwierigkeiten habe und bekommen werde, genügend qualifizierte Bewerber für eine Ausbildung zu finden.

Um genau auf diesem Felde für Hilfe und Abhilfe zu sorgen, hat Roland Weilbächer aus Flörsheim, langjähriger Obermeister als Vorgänger von Herbert Schäfer und heute neben dem Wetzlarer Josef Diessner einer von zwei Ehrenobermeistern, im August 2006 die nach ihm benannte Stiftung gegründet.

Deren ausdrücklicher Zweck ist die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Parkettlegerhandwerk und im Bodenlegergewerbe. Und zwar durch die Vergabe von Ausbildungszuschüssen an besonders qualifizierte und förderungswürdige Lehrlinge und Gesellen. "Wir verlangen viel von unseren jungen Leuten, da müssen wir sie auch fördern", so das Credo des Stifters Weilbächer, dessen Stiftung bereits viele junge Menschen unterstützt hat.

Da der Betrieb des Ehrenobermeisters Weilbächer vor 50 Jahren gegründet wurde,  beehrte Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt und Präsident der Arbeitsgemeinschaften der hessischen Handwerkskammern, die Innungsversammlung in Steinbach und überreichte Weilbächer die Ehrenurkunde der Kammer.  Auch die Innung zeichnete den Obermeister mit einer von Obermeister Schäfer sowie dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerscahft Gießen und seinem Stellvertreter, Björn Hendrischke und Uwe Bock, überreichten Ehrenurkunde aus.

Ehinger, der selbst vor 50 Jahren seine Elektrikerlehre begann, nutzte seinen Besuch in Steinbach zu einer Einschätzung der Lage: "Wir im Handwerk haben nur eine Chance, wenn wir Qualität liefern. Das ist aber zugleich auch der Vorteil und der Vorsprung des Handwerks." 2011 sei insgesamt ein gutes Jahr für das Handwerk gewesen. 73.000 hessische Handwerkbestriebe beschäftigen insgesamt 350.000 Menschen und und bilden mehr als 30.000 junge Menschen in rund 120 Berufen aus. Alleine 2011 seien fast 11.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Der Umsatz des hessischen Handwerks belaufe sich auf 30 Milliarden Euro. Eine große Chance für den Nachwuchs sieht Ehinger in der Tatsache, dass in den nächsten Jahren jeder vierte Betrieb zur Übernahme ansteht.

Gerade auch in der beschlossenen und nun zu bewältigenden Energiewende sieht Ehinger "mit das größte Konjunkturprogramm für das Handwerk". Und weil das so sei, müsse das Handwerk gerade auch jetzt verstärkt aus- und weiterbilden. "Auch wenn dies auf den ersten Blick teuer erscheint, so ist es doch eine unverzichtbare Investition in die Zukunft."

Die Innungsversammlung war sich einig, dass der Meisterbrief das "Qualitätssiegel des Handwerks" ist und bleibt. Leider habe die Politik mit ihrer deregulierenden Änderung der Handwerksordung im Jahre 2004 - "Die Katatstrophe schlechthin", so Ehrenobermeister Weilbächer - für eine "Flut von fremden und billigen Anbietern" gesorgt, die oft, mangels Qualifikation, schlechte Arbeit zum Schaden der Kunden ablieferten. Deshalb sei, um sich selbständig zu machen, zumindest der zertifizierte Nachweis über eine berufliche Qualifikation erforderlich, so die Forderung der Innung. Es sei jedoch "der eigentliche Skandal", dass dies bei und mit der Politik derzeit nicht durchzusetzen sei.